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Wer die Schwebebahn mag,
wird die Seilbahn lieben.

03.07.2018

ÖVG Seilbahntagung vom 20.06.2018

Die diesjährige Forum der Österreichischen verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft (ÖVG) behandelte diesmal das Thema „Seilbahnen im urbanen Raum“. Aus aktuellem Anlass war Linz als Tagungsort ausgewählt worden, weil dort mit der privatfinanzierten touristischen „Planetenseilbahn“ http://www.nachrichten.at/storage/med/download/287532_Streckenfu776hrung.pdf

https://www.youtube.com/watch?v=2EOA1mp7GPI&feature=youtu.be

und der eher dem ÖPNV zuzurechnenden Verbindung Ebelsberg-Pleschinger See, http://www.nachrichten.at/storage/med/download/287531_Mo776gliche_Seilbahntrasse_Ebelsberg.pdf

welche in 3 Teilabschnitten errichtet werden soll, gleich zwei hochambitionierte Seilbahnprojekte in den Startlöchern stehen.

Zu Beginn erläuterte Mag. Jörg Schröttner vom BMVIT die rechtlichen Rahmenbedingungen für Seilbahnen nach Inkrafttreten der neuen EU-VO 2016/424 am 21.04.2018 und den Anpassungsbedarf für das nationale Recht. Herr Schröttner ist zugleich Präsident der OITAV http://www.oitaf.org/

der „Internationalen Organisation für das Seilbahnwesen“.

Der Grundsatz, dass Seilbahnen in Österreich rechtlich als Eisenbahnen gelten, soll beibehalten werden. Alle Seilbahnen mit Ausnahme der kleinen Sessel- und Schlepplifte unterstehen der Aufsicht des BMVIT. Das Genehmigungsverfahren ist dreigeteilt, es bedarf einer Konzessionserteilung, sowie einer Bau-und Betriebsgenehmigung. Die Abwägung der Belange betroffener Dritter findet im Konzessionsverfahren statt, wobei der Antragsteller die betroffenen Grundstücke zu benennen hat, die Eigentümer erhalten jedoch keine „Parteistellung“ in diesm Verfahren, wohl aber im anschließenden Baugenehmigungsverfahren.

 

Als regelmäßig unbeachtliche Einwendungen gelten:

- bloß tatsächliche Interessen oder mittelbare Beeinträchtigungen

- allgemeine Einwendungen wegen Immissionen

- Einwendung wegen Einsicht in das Grundstück

- befürchtete Wertminderung eines Grundstücks

 

Für urbane Seilbahnvorhaben hält Herr Schröttner das bestehende gesetzliche Regelwerk für ausreichend, lediglich in Frankreich ist ein spezielles Gesetz zu urbanen Seilbahnen erlassen worden, https://www.lesechos.fr/22/02/2016/lesechos.fr/021715073467_telepherique-urbain--les-villes-se-lancent.htm

welches anstelle einer Enteignung ein „Servitut“ (Dienstbarkeit) an den überflogenen Wohnungen und Grundstücken einräumt, eine Entschädigungsregel aber bislang offenlässt.

 

Max Reichenbach vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie stellte unter dem Titel „Rahmenbedingungen für urbane Seilbahnen, Bürger- und Experten-Perspektiven auf ein „ungewohntes“ Stadtverkehrsmittel“ die Arbeitsergebnisse aus dem Projekt „Hoch hinaus in Baden-Württemberg“ vor.

Hierzu sind 3 Teilberichte erschienen, auf die verwiesen wird.

Arbeitsbericht Nr. 1:

Praxis urbaner Luftseilbahnen

Reichenbach, M. & Puhe, M. (2017)

 KIT Scientific Working Papers 57. DOI: 10.5445/IR/1000064581

www.itas.kit.edu/pub/v/2017/repu17a.pdf

 

Arbeitsbericht Nr. 2:

Urbane Seilbahnen in Baden-Württemberg: Explorative Analyse von Bürgersicht, Expertenmeinungen und Planungshürden

Reichenbach, M.; Puhe, M.; Soylu, T.; von Behren, S.; Chlond, B. (2017)

www.itas.kit.edu/pub/v/2017/reua17a.pdf

Handlungsleitfaden Urbane Luftseilbahnen: Empfehlungen aus dem Projekt „Hoch hinaus “

Reichenbach, M.; Puhe, M.

http://www.itas.kit.edu/pub/v/2018/repu18a.pdf

 

Herr Ostermann vom IEW erstellte für Seilbahnen im urbanen ÖPNV eine „Bewertung aus Betreibersicht“ er kam hierbei zu folgenden Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die Einordnung in das Gesamtangebot der ÖPNV-Systeme:

 

Verkehrliche Eignung zur Flächenerschließung, als Zubringer oder für Punkt-zu-Punkt Verkehre

Gleichwertigkeit mit anderen Verkehrssystemen (Voraussetzung gleiche Klasse der Leistungsfähigkeit

Topographische Gegebenheiten können Alleinstellungsmerkmale für die Anwendung sein

Qualitativen Vorbehalten seitens potentieller Betreiber ist durch projektbezogene Systemvergleiche und Variantenuntersuchungen und Vergleich mittels mehrdimensionaler Bewertungsverfahren zu begegnen. Anwendungsmöglichkeiten von Seilbahnen in urbanen Räumen (insbesondere in Europa) unterschätzt.

 

Einen besonderen Eindruck hinterließ Herr Maximilian Rudorfer, der mit nur 18 Jahren aus einem Schülerprojekt   https://www.hr-innoways.com/video-modell/

 https://forum.austrianmodding.at/ , bei welchem ein funktionsfähiges Modell einer kuppelbaren 1-S-Seilbahn erstellt wurde, heraus ein Start-up-Unternehmen https://hr-innoways.com/ gegründet hat. Das Unternehmen beschäftigt sich mit Erstellung von Modellen, 3D-Animationen und Live-Simulationen. Das in dem Video gezeigte Modell wird eingesetzt für die

·        Verdeutlichung der Funktionsweise

·        Promotion

·        Personalschulung

·        Unterstützend zu Renderings, Animationen, Live-Simulationen

 

Weiterer Imagefilm unter https://www.youtube.com/watch?v=BxAXqzSP4tc

Herr Breuner von der Firma Koiros Wirkungsforschung und Entwicklung gGmbh stellte das Projekt „Wälderbahn“ Bregenz, eine Kombination aus Seil- und schienengeführter Stadtbahn vor. Diese hatten wir hier bereits beschrieben. http://www.waelderbahn.at/

Das Seilbahnprojekt Linz wurde durch Herrn Leitner, Geschäftsführender Gesellschafter der Fa. Baucon ZT GmbH http://www.baucon.at/projekte/seilbahnbau/ erläutert. Die Firma hat zahlreiche Seilbahnplanungen, u.a. auch Koblenz begleitet. Für das Linze Projekt wurden folgende Rahmendaten benannt:  Mindestabstand über Gebäuden: 15m, Maximale Gebäudehöhe für Neubauten im Bereich der Seilbahntrasse: 45 m, mittlere Seilhöhe: 77 m, mittlerer Bodenabstand der Kabinen: 55 m, Höhe über Hochspannungsfreileitungen: 60 m. Die Trasse verläuft etwas außerhalb des Stadtkerns, so dass eine größere Stützenhöhe und eine verstärkte Sichtbarkeit im Stadtbild als verträglich angesehen werden.  Unterhalb der Trasse sind zudem noch bebaubare Freiflächen vorhanden, für die eine Höhen-Reserve von vornherein vorgehalten werden soll.

 

Abschließend stellte Herr Dr. Fallast vom Planungsbüro planum das  Seilbahnprojekt Graz vor.        Der Untersuchungsauftrag lautet, das Potential für eine künftige Stadtseilbahn in Graz zu ermitteln. Angedacht ist eine Linienführung mit 7 Zwischenstationen entlang der Mur zwischen Weinzödl, Puntigam und Webling, wo jeweils Verknüpfungspunkte entstehen sollen. Die Fahrgastzahl soll bei rd. 24.000 pro Tag liegen. Eine Nutzung wird sowohl im Stadt- als auch im touristischen Verkehr erwartet, so dass eine zusätzliche Befragung speziell von Touristen erforderlich war. Die Tarifgestaltung hängt von einer Zusage von Bundesförderung in Höhe von 50% ab. Mit dieser Förderung kann die Seilbahn komplett in den ÖPNV-Tarif integriert werden, ohne Förderung sollen zumindest die Zeitfahrausweise des ÖPNV-Tarifs gelten, die Einzelfahrt würde dagegen erheblich verteuert und es würde auch ein spezielles Touristenticket für die Seilbahn ausgegeben.

Insgesamt ist das Projekt wie folgt kalkuliert: Baukosten 218 Mio.-€, Grundablöse: 5 Mio.€, Fördersatz: 50%, Eigenkapital: 30%, Fremdkapital: 70%, (4% über 20 Jahre), Abschreibungsdauer : 30 Jahre. Künftigen Betriebskosten von rd. 6,3 Mio.€ stehen Fahrgeldeinnahmen von 6,9-8,9 Mio.€ und Werbeeinnahmen von 2,3 Mio.€ gegenüber. Damit verspricht das Unternehmen unter Berücksichtigung deutlicher Entlastungseffekte bei der Straßenbahn und dort vermiedener Mehraufwendungen wirtschaftlich deutlich erfolgreich zu sein.

 

 

 

 


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